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Erfahrungen und Empfehlungen

In den Sprachkursen konnte eine sehr hohe Abschlussquote von 94% erreicht werden. Die überwiegende Mehrheit der TeilnehmerInnen zeigte sich engagiert, lernbereit und mit einer hohen Motivation, die Sprache der neuen Heimat zu lernen.

 

Abschlussbeurteilung der SprachkursteilnehmerInnen:

25% sehr guter Erfolg
27% guter Erfolg
28% mit Erfolg
14% teilgenommen
6% kein Abschluss / abgebrochen

 

Die Erfahrung in den zehn Sprachkursen zeigte, dass AsylwerberInnen mit einer ganz besonderen Lebenssituation konfrontiert sind, die nicht ohne Auswirkung auf die Lernleistung bleibt.

 

Die Situation der Asylsuchenden ist meist geprägt durch

  • Unterbringung in beengten Quartieren ohne Möglichkeit der Eigenversorgung und ohne Tagesstrukturierung
  • gesundheitliche Einschränkungen
  • Erfahrung der Flucht
  • traumatische Erlebnisse im Heimatland und/oder während der Flucht
  • Erleben der kulturellen Unterschiede
  • Gefühl der Fremdheit und des Nicht-Angenommen-Werdens
  • Isoliertheit und daher fehlende Kenntnisse der Gepflogenheiten im Alltagsleben in Österreich
  • Verunsicherung durch langes und kompliziertes Asylverfahren
  • Mittellosigkeit und Armut.

 

Diese Lebensbedingungen werden individuell sehr unterschiedlich erlebt und verarbeitet, stellen aber in vielen Fällen ein Handicap für das Erlernen der deutschen Sprache dar. Sie erfordern es auch, Erwartungshaltungen und Regeln klar auszusprechen. Als Konsequenz für die Kursdurchführung können folgende Empfehlungen gegeben werden:

  • Reine Frauenkurse sind zum Teil notwendig, um den Frauen den Zugang zu Sprachkursen überhaupt zu ermöglichen. Sie sollten jedoch in einer weniger intensiven Form durchgeführt werden (4-5 Halbtage pro Woche bei einer Dauer von 10-12 Wochen waren zuviel) und erfordern von der Lehrkraft eine klare Abgrenzung zu sonstigen Unterstützungs- und Betreuungsleistungen.
  • Unterschiedliche Vorkenntnisse, heterogene Bildungsniveaus und Motivationslagen führen zu stark unterschiedlichen Lernfortschritten, die durch differenzierenden Unterricht nicht mehr aufgefangen werden können. Eine flexible Kursgestaltung (zB durch eine Splittung nach 6 Wochen in 2 Gruppen) sollte vorgesehen werden.
  • Förderstunden, flexibel und individuell eingesetzt, können den individuellen Lernerfolg maßgeblich steigern.
  • Die Verbindlichkeit der Teilnahmeregeln muss den TeilnehmerInnen zu Beginn des Kurses klar und deutlich gemacht werden und erfordert konsequentes Handeln der KursleiterInnen.
  • Eine Vorbereitung der eingesetzten KursleiterInnen auf die Thematik Asyl ist empfehlenswert. Diese sollte umfassen: Information über Ablauf und Dauer von Asylverfahren in Österreich, was bedeutet Grundversorgung, Besuch eines Quartiers, welche zuständigen Stellen gibt es, Kurzinformation über die Hauptherkunftsländer.
  • Die Übernahme der Fahrtkosten zu den Kursen ist eine absolute Notwendigkeit, um den Zugang zu den Kursen zu ermöglichen. Hierbei empfiehlt es sich, mit der/m FördergeberIn bereits vor Beginn der Durchführung eine ganz klare Absprache zu treffen, wie die Fahrtkosten im Detail auszuzahlen und abzurechnen sind. Dadurch kann Sicherheit sowohl bei den MitarbeiterInnen als auch bei den TeilnehmerInnen gewährleistet werden. Bei der Intensität der hier durchgeführten Kurse mit 4-5 Tagen pro Woche ist aus Gründen der Sparsamkeit jedenfalls der Einsatz von Wochen- bzw. Monatskarten sinnvoll. Die Vorfinanzierung durch die TeilnehmerInnen, wie dies in FluEqual notwendig war und deren Auszahlung erst nach Ablauf der Fahrkarte, war aufgrund der finanziellen Lage der AsylwerberInnen häufig nicht möglich. Wünschenswert ist die Barauszahlung bei Vorlage der Originalfahrkarte und deren Verrechnung mittels einer Kopie der Fahrkarte. Die Auszahlung der Fahrgelder muss am Kursort erfolgen können.
  • Kinderbetreuung ist ein unverzichtbares Angebot bei Intensiv-Kursmaßnahmen von 4-5 Tagen/Woche, vor allem für teilnehmende Frauen. Je nach Familiensituation und auch den regionalen Möglichkeiten, muss die passende Form der Kinderbetreuung gefunden werden: Kindergarten, Tagesmutter, Betreuung durch MitbewohnerInnen oder durch den Einsatz einer/s KinderbetreuerIn.
  • Um diese Empfehlungen umsetzen zu können, muss eine entsprechende Vorbereitungszeit für die Organisation der Sprachkurse eingeplant werden.



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